Die vom New Yorker Yachtclub in Auftrag gegebenen Yachten wurden sehr schnell in nur fünf Monaten im Serienbau hergestellt. Die Anitra war im Mai 1928 vollendet.
Daß dies möglich war, spricht für ein sehr gut durchorganisiertes Unternehmen und zahlreiche Zulieferer. Zumindest die Edelhölzer konnten damals für eine so große Stückzahl an Yachten nicht auf Lager gewesen sein. Dies spricht für internationale Zulieferer.
Amerikanischer Konstrukteur, deutsche Bauwerft, internationale Zulieferer und Kunden in den USA: Globalisierung im Yachtbau in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Im Baubuch der Firma Abeking und Rasmussen erhielt die Anitra 1928 die Baunummer 2366.

Bildquelle: Bearbeiteter Scan des reproduzierten Baubuches der Firma A & R.
Die sechs Yachten hießen:
Nur zwei exisitieren noch: die bereits restaurierte "Onawa" und die hier beschriebene "Anitra".
Alle sechs 12-Meter-R-Yachten wurden auf Wunsch der Eigner ausschließlich als Regattayachten für Vergleichsfahrten im New Yorker Yachtclub gebaut. Aus diesem Grund erhielten sie alle das gleiche und damals moderne Bermuda-Rigg. Für fünf Yachten stellte der Segelmacher Ratsey die Segel identisch her. Nur eine Yacht wurde mit Segeln von deutschen Segelmacher Mählitz ausgestattet.
Die 12m R-Yacht "Anitra" wurde im Jahr 1928 als Komposit-Bau erstellt. Das bedeutet, dass ein Teil der statischen Verbände aus Metall hergestellt sind. Jeder zweite Spant inklusive der Bodenwrangen sind über die gesamte Länge der Yacht in feuerverzinktem Stahl ausgeführt.
Die Originalbeplankung aus dem Jahr 1928 wurde in Swietenia-Mahagoni ausgeführt - Honduras Mahagoni aus der Familie der Meliaceen. Dieses "original Mahagoniholz" kommt an der Ostküste Südamerikas, in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Peru und Venezuela vor. Aus amerikanischen Mahagoni wurden vor und nach dem Zweiten Weltkrieg so gut wie alle Yachten gebaut. Aufgrund der ausgezeichneten Verarbeitungseigenschaften, der Witterungsfestigkeit und des guten Stehvermögens sowie der schönen Rotfärbung war es sehr beliebt im Boots- und Yachtbau.
Alle Rümpfe der sechs Yachten wurden von Burgess gleich konstruiert. Aber im Rigg experimentierte er auf jeder Yacht. Hier konstruierte er absichtlich Unterschiede, besonders beim Verhältnis der Fläche des Genuadreiecks zum Großsegeldreieck, hinein.
So erhielt die Anitra z.B. eine relativ kleine Vorsegelfläche und dafür ein wesentlich größeres Großsegeltuch als die anderen fünf Yachten.
Ziel war es, mit ansonsten gleichen Yachten die optimalsten Riggproportionen in der Praxis des Regattasegelns auszutesten.
Der damalige Redakteur der Zeitschrift "Die Yacht" schrieb Anfang 1928 über diese sechs 12-m-R-Yachten:
"Auch diese Boote haben eine sehr geräumige Einrichtung. Getrennte Eignerkabine, zwei Waschräume, einen großen Salon mit Pullmannbetten und Navigationstisch, sehr geräumige Pantry mit dem üblichen großen amerikanischen Eisschrank."